Im Portrait: Die Heilpflanze des Jahres 2021: Meerrettich


Die scharf schmeckenden und tränentreibenden Senföle entfalten sich erst dann, wenn der Meerrettich auf irgendeine Weise zerkleinert wird. Diese Stoffe sind in der Lage, krankmachende Mikroorganismen wie Bakterien, Viren und Pilze in ihre Schranken zu weisen. Kein Wunder, dass der Meerrettich in der Volksheilkunde seit Menschengedenken bei Leiden wie Atemwegs- und Harnwegsinfekten eingesetzt wird.



Heilpflanze des Jahres 2021

Aufgrund der entzündungshemmenden Eigenschaften, der beachtlichen antiviralen und der starken antibakteriellen Wirkungen wurde der Meerrettich zur Heilpflanze 2021 gekürt.

Die Herkunft

Woher der Meerrettich ursprünglich stammt, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Es wird gemunkelt, dass er in Moldau das Licht der Welt erblickt hat. Von dort soll der grosse Rettich durch slawische Völker nach Mitteleuropa gebracht worden sein, wo er noch heute verwildert vorkommt. Sowohl in Ostrussland als auch in der Ukraine trifft man auf seine Wildform. Kultiviert wurde die Pflanze schon vor Tausenden von Jahren, etwa im alten China und Ägypten.


Der Meerrettich als Heilpflanze

Einzug in die Küche fand der Meerrettich erst Ende des 16. Jahrhunderts. Schon lange davor wurde er als Heilpflanze geschätzt. Im alten Ägypten wurde der Kren bereits vor Jahrtausenden medizinisch angewandt.

In der griechischen Mythologie fand der Meerrettich ebenfalls Erwähnung: Das Orakel von Delphi verriet Apoll, dem Gott der Heilung, dass der Meerrettich Gold wert sei.

Im Mittelalter galt der Meerrettich in ganz Europa als ein angesehenes Heilmittel. Die scharfe Wurzel kam u. a. gegen Gelbsucht, Erkrankungen der Atemwege und Skorbut zum Einsatz.


Meerrettich ist reich an Vitamin C

In Süddeutschland wird der Meerrettich nicht ohne Grund als "Bayerische Zitrone" bezeichnet. Denn in der scharfen Wurzel steckt mehr als doppelt so viel Vitamin C als in der Zitrusfrucht. Ein Esslöffel Meerrettich entspricht ungefähr einer kleinen Zitrone.

In der Schifffahrt ist diese positive Wirkung des Meerrettichs schon lange bekannt. Die Wurzeln konnten aufgrund der langen Haltbarkeit bei längeren Seefahrten ideal zur Verhütung der Vitamin-C-Mangelkrankheit Skorbut mitgeführt werden. Ausführliche Informationen über die Wirkung von Vitamin C finden Sie unter dem vorangegangenen Link.



Senfölglycoside: Die besonderen Stoffe im Meerrettich

Früh wurde erkannt, dass dem Meerrettich eine heilende Kraft innewohnt. Doch hat es lange gedauert, bis die Inhaltsstoffe entdeckt und die Wirkmechanismen verstanden wurden. Inzwischen weiß man, dass neben den Vitaminen und Mineralstoffen vordergründig die zu den sekundären Pflanzenstoffen zählenden Senföle zum herausragenden gesundheitlichen Effekt beitragen.

Die Senföle, auch bekannt als Glucosinolate, sind allerdings nicht von vornherein im Meerrettich enthalten. Sie werden erst dann gebildet, wenn die darin vorkommenden Senfölglycoside mit einem in besonderen Zellen gelagerten Enzym namens Myrosinase in Berührung kommen. Dieser Kontakt wird hergestellt, wenn der Meerrettich zerkleinert oder auch verdaut wird. In Folge entstehen die scharf schmeckenden Senföle.

Zwar sind in jedem Kreuzblütengewächs Glucosinolate enthalten, doch ist sehr wohl ein Unterschied in Hinblick auf das Aroma und den Schärfegrad erkennbar, da der Meerrettich deutlich schärfer ist als z. B. Brokkoli, Weißkohl oder Senf. Dies ist darauf zurückzuführen, dass es unterschiedliche Senfölglycoside gibt und bei jedem Kreuzblütengewächs eine andere Mischung und Kombination vorliegt.


Die Anwendungen in der Volksheilkunde

Der Meerrettich wird seit Jahrtausenden innerlich und äusserlich als Heilpflanze angewandt und konnte seinen guten Ruf bis heute bewahren. Die Heilkraft beruht vordergründig auf den bakterien-, pilz- und virenhemmenden Eigenschaften. Darüber hinaus wirkt der große Rettich gegen Entzündungen, gegen freie Radikale sowie schleimlösend, fördert die Durchblutung und stärkt das Immunsystem.

In der Volksheilkunde kommt der Meerrettich u. a. bei den folgenden Leiden zum Einsatz (11, 13):

  • Nebenhöhlenentzündungen

  • Erkältung

  • Bronchitis

  • Halsschmerzen

  • Blasenentzündung

  • Muskelschmerzen

  • Grippe

  • Rheuma

  • Leber- und Gallenwegserkrankungen

  • Verdauungsbeschwerden

  • Altersflecken

  • Krebs

Penicillin aus Meerrettich


Aufgrund der bekannten Nebenwirkungen und immer häufiger werdenden Resistenzbildungen von Antibiotika wird vermehrt auf Heilpflanzen zurückgegriffen, die eine antibiotische Wirkung haben. Beim Meerrettich sind es die Senföle, welche diese Eigenschaften haben. In Deutschland wird der Kren deshalb auch als "Bayerisches Penicillin" bezeichnet.


Das Breitbandantibiotikum namens Meerrettich

Im Meerrettich liegen verschiedene Senföle mit unterschiedlichem Wirkspektrum vor. Während das Allylsenföl vorwiegend im gramnegativen Spektrum eine deutliche bakterizide Wirksamkeit aufweist, zeigt das Gluconasturtiin eine starke bakterienhemmende Wirkung im grampositiven Bereich.

Oft können grampositive Bakterien wie Streptokokken, Enterokokken und Staphylokokken und gramnegative Bakterien wie Salmonellen, Legionellen, E. Coli und Klebsiellen nur mit unterschiedlichen Antibiotika bekämpft werden. Der Meerrettich aber zeigt bei beiden Bakteriengruppen Wirkung und wird deshalb als natürliches Breitbandantibiotikum bezeichnet.


Meerrettich gegen Infektionen der Atemwege und Harnwege

Akute Infektionen der Atemwege und Blasenentzündungen zählen zu den häufigsten Leiden in der Hausarztpraxis und werden auch häufig mit Antibiotika behandelt. Immer mehr Studien zufolge wirken Heilpflanzen aber effektiver und es treten kaum Nebenwirkungen auf.

In der Pflanzenheilkunde kann es sehr sinnvoll sein, Heilpflanzen zu kombinieren. Forscher von der Universität Freiburg haben herausgefunden, dass eine Therapie mit Meerrettich und Kapuzinerkresse (Tropaeoli majoris herba) sehr vielversprechend ist. Denn diese Pflanzenkombination zeigt eine b

esonders ausgeprägte keimhemmende Wirkung gegen die wichtigsten bakteriellen Erreger von Atemwegs-, Rachen- und Harnwegsinfektionen – und das sogar bei resistenten Bakterien (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus). (11, 13)

Selbst bei langfristiger Meerretticheinnahme wurde keine Entwicklung von Resistenzen beobachtet. Neben den Bakterien hemmen die Senföle auch Viren und Pilze, wodurch eine äusserst umfassende Therapie ermöglicht wird. Darüber hinaus schadet der Meerrettich – anders als Antibiotika – nicht der Darmflora. Wie Sie nach Antibiotika Ihre Darmflora wieder aufbauen können, verrät Ihnen der vorangegangene Link.


Meerrettich und Kapuzinerkresse: besser als Antibiotika


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